reichtum und mehrwertsteuer
Ich finde es sehr aufschlussreich bezüglich schweizer mentalität, dass in einem so reichen land den politiker*innen als steuereinnahmenquelle einzig die mehrwertsteuer in den sinn kommt, die steuer, welche die armen am stärksten und die reichen am wenigsten trifft.
Insgesamt nahm der bund 2025 rund 89 milliarden ein. Die einnahmen aus der mehrwertsteuer machen etwa eine drittel aus, knapp 28 milliarden, etwa gleichviel wie die einnahmen aus der direkten bundessteuer (rund 30 mrd.) und viereinhalb mal soviel wie die einnahmen aus der vermögenssteuer (das ist der anteil der verrechungssteuer, der nicht zurückgefordert wird: 6,3 mrd.).
6,3 milliarden, also 35 prozent verrechnungssteuer, also 35 prozent der einnahmen durch dividenden und zinserträge. Das bedeutet, im 2025 verdienten, wenn man so sagen will, gewisse personen also mindestens 18 milliarden durch das vermögen, das sie besitzen.
Kleinvieh macht auch mist. Das gilt auch für steuern, besonders bei den steuerzahlenden, die mit wenig einkommen auskommen müssen. Ein liter milch pro woche für 1 franken 85 bei 2,6 prozent mehrwertsteuer (reduzierter satz für lebensmittel), das sind 2 franken 60 mehrwertsteuer im jahr.
Wenn man bedenkt, dass man ja nicht von milch allein lebt, kommt da über's jahr schon ein betrag zusammen, den man für ein kleines weihnachtsgeschenk einsetzen könnte. Jeder rappen zählt. So heisst doch auch diese spenden-aktion für karitative zwecke, die jeweils ende jahr läuft.
Es ist peinlich, manche sagen, es hat system, wie die steinreiche schweiz tut, als ob sie nur via mehrwertsteuer zu mehr geld im bundeshaushalt käme. Wenn bestimmte kantone die einnahmen aus den 15 prozent oecd-mindeststeuer an die unternehmen quasi rückvergüten (und die mehrwertsteuer rückvergütet bekommt, wer im benachbarten ausland einkauft), dann ist klar, was in der schweiz zählt.
So das volk will, kann man vermögens- und erbschaftssteuern auf bundesebene einführen. Solche dinge haben es freilich schwer in der schweiz. Das stimmvolk lehnte am 14. juni 2015 die volksinitiative "millionen-erbschaften besteuern für unsere ahv" (20% ab 2 millionen) mit 71 prozent nein-ptimmen klar ab. Das beispiel zeigt: Mehr steuern für die reichen, das hat bei den stimmberechtigten in der schweiz nicht die spur einer chance. Womit einmal mehr klar ist, was in der schweiz zählt: Geld.
Zur ahv: Die altersvorsorge in der schweiz, das sogenannte drei-säulen-system mit ahv, pensionskassen und private vorsorge kostet den staat fast nichts. Pensionskassen und banken sind private anbieter. Die ahv wird vorallem durch lohnprozente finanziert (72 % der einnahmen). Dazu kommen die einnahmen aus den steuern auf tabak und alkohol, abgaben der spielbanken und ein mehrwertsteuerprozent.
Abgesehen davon, dass die ahv den staat sehr wenig kostet, ich mag es nicht mehr hören, es sei zu wenig geld da für die ahv. Ich höre das seit über 20 jahren, die ahv müsste längst kaputt sein. Fakt ist: Ende 2024 betrug das ahv-vermögen rund 55,5 milliarden franken, ein rekordstand (ktipp).
Zur armee: Schon als noch Viola Amherd das departement führte und noch Thomas Süssli chef der armee war, sprach das parlament trotz schuldenbremse mehr geld für die armee, obwohl überhaupt nicht klar war, wofür denn das geld ganz konkret eingesetzt werden sollte. Auch das hinundher um die neuen kampfflugzeuge erweckt nicht gerade den eindruck, dass diese armee mit mehr geld leistungsfähiger und schlagkräftiger würde, wenn sie schon in friedenszeiten so schlecht geführt wird.
sinn: Am 28. januar 2026 teilte der bundesrat mit, dass er die mehrausgaben für die armee mit einer erhöhung der mehrwertsteuer finanzieren ➚ will.
2025: Die zahlen stammen aus einer grafik der eidgenössischen finanzverwaltung zur entwicklung der einnahmen ➚. Es sind keine definitiven zahlen (anfang februar 2026), sie unterscheiden sich aber nicht wesentlich von den zahlen für 2023 oder 2024. Wer es exakter haben will, kann gerne diese einsetzen.